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Pressemitteilung: Filmkunstkino retten – Filmvielfalt sichern

Pressemitteilung: Filmkunstkino retten – Filmvielfalt sichern

Pressemitteilung, 2. Oktober 2020

Filmkunstkino retten – Filmvielfalt sichern

CICAE appelliert europaweit und auch weltweit an alle staatlichen Ebenen, die Kinos zu unterstützen

Die CICAE, der internationale Verband der Filmkunsttheater, ist sehr besorgt um die Zukunft des Kulturortes Kino. „Greifen nicht bald wirksame Sofortmaßnahmen für unseren Sektor, sind schon bald Insolvenzen zu erwarten“, so Christian Bräuer, Präsident der CICAE. Gerade die traditionellen Kinos und Filmkunsttheater folgen mit ihrem hohen gesellschaftlichen und kulturellen Engagement nicht allein dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Sie verfügen nicht über erforderliche Rücklagen. Zugleich belastet sie jetzt eine hohe Grundkostenstruktur.

Die Bewältigung der Pandemie ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Sie nimmt uns alle in die Pflicht. Selbiges gilt auch für die wirtschaftlichen Folgen. „Hier sind wir natürlich auch auf staatliche Hilfe angewiesen,“ so Christian Bräuer. „Wir brauchen speziell auf die Situation der Kulturorte zugeschnittene Soforthilfeprogramme, ansonsten besteht die Gefahr, dass am Ende viele Spielorte für immer verschwinden und die Kultur durch den Rost fällt.“

Von der Europäischen Union fordert die CICAE, dass mindestens zwei Prozent des milliardenschweren Rückforderungsfonds an die europäische Kulturindustrie gehen müssen. Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, dass diese Mittel auch den Kinos und der Filmindustrie zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus sollten die Staaten selbst, und zwar auf allen Kontinenten, ihre Kinos mit ausreichenden Mitteln unterstützen. Der Not- und Wiederbelebungsplan für das französische Kino, den die Kulturministerin Roselyne Bachelot am 23. September auf dem Kongress des französischen nationalen Kinoverbandes in Deauville vorgestellt hat, und das Programm Neustart Kultur der deutschen Regierung könnten in dieser Hinsicht als Modell für andere Länder dienen. Durch die Bereitstellung von jeweils mehr als 100 Millionen Euro für die Kinos und die Vielfalt der Maßnahmen stellen diese Pläne eine starke und konkrete Antwort dar, die zum Erhalt der gesamten Branche beitragen kann und deren rasche Umsetzung es den Kinos ermöglicht, in einer Zeit einer beispiellosen globalen Krise Widerstand zu leisten.

Der CICAE setzt sich dafür ein, dass idealerweise 4% der Mittel des Europäischen Wiederaufbaufonds für die stark betroffenen Kultur- und Kreativindustrien in den Mitgliedstaaten reserviert werden. Dies stünde in einem angemessenen Verhältnis zu den 4,2% des BIP der EU und den 8,7 Millionen Arbeitsplätzen, die der Kultur- und Kreativsektor darstellt.

Sicher ist: Superhelden, Star Wars und alles, was Algorithmen belohnen, wird es auch nach der Krise geben. Aber was ist mit dem kulturell anspruchsvollen Film? Phänomene wie PARASITE, SHOPFLIFTERS oder THE SQUARE zeigen, wie entscheidend Filmfestivals und der exklusive Start im Kino für die Veredelung eines Films über alle Verwertungsstufen hinweg und im Erfolgsfall über viele Jahre und Jahrzehnte hinaus ist. Programmkinos bringen Filmkunst nicht nur in die Nachbarschaft.
Durch ihr Engagement können Filme zum Phänomen werden. Werke wie die vorgenannten hätten bei einer ausschließlichen Online-Verwertung niemals so viele Menschen gesehen. Diese Filme brauchen jedes einzelne Kino und jeden einzelnen Gast, damit sie gemacht werden können. Ansonsten besteht die Gefahr, dass eine ganze Kunstform verloren geht.

In den meisten Ländern sind die Arthousekinos inzwischen zwar wieder geöffnet. Sie verstehen sich als Teil ihrer Nachbarschaft und tragen damit zur kulturellen Grundversorgung bei. Doch hohe Sicherheitsanforderungen und der aktuelle Mangel an attraktiven Filmen erschweren nach wie vor das Geschäft. Teile des Publikums sind zurückhaltend und meiden den Besuch von Veranstaltungen in geschlossenen Räumen. Die so genannte zweite Welle führt derzeit dazu, dass teils wieder erhöhte Sicherheitsanforderungen gestellt oder Kinos sogar wieder geschlossen werden.

Kino ist ein Kulturort und ein elementarer Diskursraum in unserer Gesellschaft. Kultur ist kein Luxusgut, sondern die Hefe im Teig der Gesellschaft. Gerade in Krisenzeiten ist Kunst und die kritische Auseinandersetzung für eine freie, demokratische Gemeinschaft wichtiger denn je.

Es wird dauern, bis es wieder einen Normalbetrieb in der Film- und Kinobranche geben wird, bis wieder in gewohnter Form bei Festivals die Vielfalt der Siebten Kunst gefeiert werden kann oder bis wieder Normalität am Set oder im Kino möglich ist. Auch nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Kinos ist die Branche von einem Business-as-usual weit entfernt. Weil Auflagen keine Vollkapazitäten ermöglichen, weil gerade das ältere Publikum und Risikogruppen noch länger das Zusammensein mit Fremden in geschlossenen Räumen vermeiden, weil Festivals als Plattform und Vitrinen für Filmkunst fehlen und weil Studios und Verleiher angesichts des Vorgenannten den Start zugkräftiger Filme verschieben oder diese direkt an Streaming-Plattformen geben.

Wo sich Marktmacht konzentriert, leidet die künstlerische Vielfalt. Hauptfokus der gesamten Filmbranche, aber auch staatlicher und suprastaatlicher Institutionen muss es daher sein, in der jetzigen Krise das wirtschaftliche Überleben so vieler Marktteilnehmer wie möglich zu sichern. Dass die Kinos für dieses Ziel auch bereit sind, für sie harte Entscheidungen im Interesse der Sicherung anderer Branchenzweige zu treffen, haben sie in den vergangenen Wochen bewiesen.

„Wir glauben ans Kino. Die Mediennutzung differenziert sich weiter, aber Kino hat eine einzigartige Stärke in digitalen Zeiten: den analogen Ort und die Gemeinschaft,“ so Christian Bräuer. Oder wie Christopher Nolan in der Washington Post kommentierte: ‘Die letzten Wochen waren eine Bestätigung, falls wir eine brauchten, dass es Aspekte des Lebens gibt, die viel wichtiger sind als der Kinobesuch. Aber wenn man bedenkt, was die Kinos bieten, sind es vielleicht nicht so viele, wie Sie vielleicht denken mögen.’

Weitere Informationen erhalten Sie bei CICAE-Geschäftsführerin Boglárka Nagy:
boglarka.nagy@cicae.org

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